Zeitschrift für marxistische Debatte und Einheit

Zerstörung und Instabilität


Gewinnt Iran den Krieg? Ist bloßes Überleben schon ein Sieg? Yassamine Mather untersucht die strukturellen Veränderungen, welche die Position des Obersten Führers an den Rand gedrängt und die Islamische Revolutionsgarde stark in den Vordergrund gerückt haben.

Nach etwas mehr als einem Monat der Operation „Epic Fury“ hat Donald Trump behauptet, dass seine „strategischen Kernziele kurz vor der Vollendung stehen“, und gelobt, die „Arbeit in den nächsten Wochen zu Ende zu bringen“.

Trumps jüngste Erklärung ist ein weiterer Positionswechsel, da er nun offenbar sagt, dass ein formelles diplomatisches Abkommen keine Voraussetzung mehr für ein Kriegsende sei. Stattdessen hänge alles von der Zerstörung der Raketenkapazitäten Teherans und seiner nuklearen Infrastruktur ab, unabhängig davon, ob ein Abkommen unterzeichnet werde.

Unterdessen behauptet Trump selbstverständlich, dass das „neue Regime“ des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian ein guter, deutlich besserer Verhandlungspartner sei und einen Waffenstillstand gefordert habe. Iran bestreitet offiziell jegliche solcher Behauptungen. Dennoch ist klar, dass es Angebote und Gegenangebote gibt.

Tatsächlich erfolgt die jüngste Runde der Diplomatie über dritte Gesprächspartner, nämlich China und Pakistan, und deren Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand, dem Schutz kritischer Infrastruktur und der dringenden Wiederöffnung der Straße von Hormus. Beijings Intervention spiegelt seine wachsende Rolle als globaler Vermittler wider, die vor allem durch die Notwendigkeit getrieben ist, seine lebenswichtigen Energieversorgungswege zu sichern und umfangreiche Infrastrukturinvestitionen in der Region zu schützen, die derzeit durch den Konflikt bedroht sind. Die Diplomatie bleibt jedoch von besonderer Art: indirekt, abstreitbar und strukturell eingeschränkt.

Pakistans Rolle als Vermittler im Iran-Krieg kam für viele unerwartet. Doch vielleicht war dies gar nicht so abwegig. Feldmarschall Asim Munir, der Befehlshaber der pakistanischen Armee, hat Trumps Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Trump hat ihn wiederholt als seinen „Lieblingsfeldmarschall“ bezeichnet und zuvor erklärt, dass Munir Iran „besser als die meisten anderen“ kenne.

Pakistan ist stark von Ölimporten abhängig, von denen ein großer Teil über die Straße von Hormus geliefert wird. Anfang März erhöhte die pakistanische Regierung die Benzin- und Dieselpreise um etwa 20 % und ergriff Maßnahmen zur Kraftstoffeinsparung, darunter die Einführung einer Vier-Tage-Woche für Regierungsangestellte. Daher hat das Land ein starkes Interesse daran, die Feindseligkeiten rasch zu beenden. Auf diplomatischer Ebene bietet Pakistan einen Kanal, über den Vorschläge übermittelt und Antworten signalisiert werden können, ohne dass formelle Verhandlungen stattfinden. Für Iran besteht bei direkten Verhandlungen die Gefahr, dass seine innenpolitische Legitimität untergraben wird. Für die USA birgt ein formelles Engagement das Risiko, als Zugeständnis zu erscheinen.

Es ist möglich, dass Trumps derzeitige Haltung und die diplomatischen Initiativen Chinas und Pakistans einen Wendepunkt markieren. All dies könnte sich jedoch sehr schnell ändern. Da die Straße von Hormus praktisch blockiert ist und die globalen Energiemärkte in Aufruhr sind, ist der Druck enorm geworden, sodass es eher zu einer Eskalation als zu einer Einigung kommen könnte.

In den vergangenen Wochen drehten sich viele Kommentare um Israels offensichtliche Erwartung, dass der Tod des Obersten Führers Ali Chamenei den Zusammenbruch des Regimes beschleunigen würde. Man ging davon aus, dass ein um eine zentrale Figur herum organisiertes System unter dem kombinierten Druck von Krieg, Sanktionen und innerer Opposition zerfallen würde. All dies beruhte eindeutig auf falschen Annahmen über die vielen strukturellen Ebenen des islamischen Regimes. Was sich bisher abzeichnet, ist kein Zusammenbruch, sondern eine Neuordnung. Iran hat einen raschen Übergang zu einem System vollzogen, das man als „gesteuerte Kontinuität“ bezeichnen könnte: militarisierter, undurchsichtiger und in gewisser Hinsicht widerstandsfähiger als zuvor. Dabei handelt es sich nicht um Widerstandsfähigkeit im Sinne von Stabilität, sondern im engeren Sinne um Überlebensfähigkeit unter den Bedingungen einer schweren Krise.

Reorganisation

Um diesen Wandel zu verstehen, müssen wir vier miteinander verknüpfte Dynamiken betrachten: die Neuordnung der politischen Autorität, die materiellen Auswirkungen des Krieges auf Infrastruktur und Wirtschaft, das asymmetrische Muster der Zerstörung zwischen Iran und Israel sowie die widersprüchlichen und verwirrenden Berichte über diplomatische Manöver neben der anhaltenden Eskalation.

Formal wurde Modschtaba Chamenei das Amt des Obersten Führers übertragen. Inhaltlich scheint seine Rolle jedoch begrenzt zu sein. Ihm fehlen die politische Autorität, das ideologische Gewicht und die historische Präsenz, die die letzten Lebensjahre seines Vaters prägten. Seine völlige Abwesenheit aus dem öffentlichen Leben – abgesehen von gelegentlichen schriftlichen Botschaften – verstärkt den Eindruck, dass er weniger als entscheidender Akteur fungiert, sondern eher als verfassungsmäßiger Platzhalter. Dies führt zu einer Kluft zwischen formaler Autorität und tatsächlicher Macht. Der iranische Staat war in der Tat nie um ein einziges Zentrum herum organisiert. Die Autorität ist nun jedoch viel breiter über eine Reihe sich überschneidender Institutionen verteilt.

Diese Streuung ist kein Zufall. Sie spiegelt die notwendige Reaktion auf anhaltenden Druck von außen wider. Ein System, das sich nicht leicht enthaupten lässt, ist im engeren strategischen Sinne beständiger. Das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (englisch Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC) wurde wiederholt erwähnt, und das zu Recht. Es ist seit langem eine mächtige Institution innerhalb des iranischen Staates; neu ist jedoch das Ausmaß, in dem es nun das führende Element des Staates darstellt. Der Einfluss des IRGC erstreckt sich über das Parlament, die Justiz, die Regionalverwaltung und Schlüsselbereiche der Wirtschaft. Seine Kommandeure sind in formelle Institutionen eingebettet, während seine wirtschaftlichen Netzwerke eine unabhängige materielle Basis bilden. Was wir also beobachten, ist weniger eine Machtübernahme als vielmehr die Formalisierung einer bereits bestehenden Realität.

Die dieser Struktur zugrunde liegende Logik basiert auf dem, was oft als „Mosaik-System“ bezeichnet wird: eine dezentrale Anordnung, in der jede Position einen designierten Stellvertreter hat. Die Autorität ist verteilt, Redundanzen sind eingebaut, und die Entfernung einer einzelnen Person – auch durch einen Luftangriff – unterbricht nicht das Funktionieren des Ganzen. In diesem Sinne ist der iranische Staat für seine Kontinuität nicht von einem einzelnen Führer abhängig.

Der Wandel hin zu einem offen militärischen System zeigt sich am deutlichsten in der Organisation des strategischen Kommandos. Das Hauptquartier Khatam al-Anbiya fungiert als de facto Kriegsraum sowohl für die IRGC als auch für die anderen Teile der Streitkräfte und koordiniert militärische Operationen, Verteidigungsmaßnahmen und Vergeltungsschläge. Dies markiert einen umfassenderen Wandel in der Beziehung zwischen politischer Autorität und militärischer Macht. Das klerikale Establishment bleibt formal dominant, doch die strategische Entscheidungsfindung konzentriert sich zunehmend auf militärische Strukturen. Das Ergebnis ist eine hybride Formation: weder rein theokratisch noch konventionell militarisiert, sondern eine Verschmelzung beider Elemente.

Persönlichkeiten wie Parlamentspräsident Mohammad Baqher Ghalibaf veranschaulichen diesen Wandel. Mit einer Karriere, die Stationen im IRGC, bei der Polizei und in der Kommunalverwaltung umfasst, fungiert er als Vermittler zwischen bürokratischen und sicherheitspolitischen Institutionen. Die gewählte Regierung von Massud Peseschkian und sein Kabinett behalten die Verantwortung für die Verwaltung – öffentliche Dienste, Wirtschaftsführung, innerstaatliche Infrastruktur. Es sieht jedoch so aus, als seien sie weitgehend von militärischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

Ausgewählte Ziele

Die Infrastruktur des Landes wird systematisch zerstört. US-amerikanische und israelische Luftangriffe haben wichtige Komponenten ins Visier genommen: Raketenproduktionskomplexe wie Khojir und Parchin, Luftfahrt- und Verteidigungsanlagen, Energieanlagen sowie große Industriestandorte, darunter eine Reihe von Stahlwerken und Zementproduktionszentren in Regionen wie Chuzestan und Isfahan. Wissenschaftliche und technische Fakultäten an Universitäten werden gezielt angegriffen und bombardiert. Medizinische und Gesundheitseinrichtungen, Krankenhäuser und pharmazeutische Fabriken liegen in Trümmern.

Dies sind keine symbolischen Ziele. Sie sind Teil der materiellen Grundlage der wirtschaftlichen und militärischen Kapazitäten des iranischen Staates. Ihre Zerstörung hat unmittelbare Auswirkungen – sie stört Produktion, Lieferketten und Logistik –, aber auch langfristige Folgen: Sie beeinträchtigt die Infrastruktur, die für eine nachhaltige industrielle Reproduktion erforderlich ist. Der Krieg ist daher nicht nur zerstörerisch, sondern transformativ. Er verändert die Bedingungen, unter denen sich der iranische Staat wirtschaftlich und militärisch reproduzieren kann.

Die Auswirkungen dieser Zerstörung reichen bis ins zivile Leben hinein. Die Gesundheitsinfrastruktur wurde beschädigt, wobei Krankenhäuser, Rettungsdienste und medizinische Einrichtungen kurz vor dem Zusammenbruch stehen: Die Nachfrage steigt, während die Kapazitäten sinken.

Gleichzeitig gibt es sichtbare Formen sozialer Resilienz. Berichte über lokale Selbstorganisation, Freiwilligennetzwerke und Initiativen zur gegenseitigen Hilfe deuten darauf hin, dass alltägliche Formen der Solidarität entstanden sind, um der Herausforderung des Krieges zu begegnen. Doch diese Resilienz existiert neben Repression. Sicherheitskräfte sind allgegenwärtig und schränken die Möglichkeiten organisierter Opposition ein, darunter natürlich die Arbeiterklasse und Studierende, aber auch die Basarhändler (einst überzeugte Anhänger des Regimes).

Die globale Dimension des Konflikts kommt am deutlichsten in der Veränderung der Lage in der Straße von Hormus zum Ausdruck. Einst einer der verkehrsreichsten Seewegkorridore der Welt, ist sie faktisch zu einem Engpass geworden. Der Schiffsverkehr ist drastisch zurückgegangen. Die Durchfahrt ist nicht mehr selbstverständlich: Sie erfordert eine ausdrückliche oder stillschweigende Genehmigung durch die iranischen Behörden. Schiffe werden aufgehalten, umgeleitet oder sitzen fest, was zu Störungen führt, die weit über die Region hinausreichen. Natürlich sollte all dies keine Überraschung sein. Teheran hatte gewarnt, dass es solche Schritte unternehmen würde, sollte es von den USA und Israel angegriffen werden. Die geografische Lage Irans ist hier von Bedeutung. Seine Kontrolle über einen langen Küstenabschnitt entlang einer engen Seestraße verschafft ihm unverhältnismäßig großen Einfluss auf die globalen Handelsströme. Dies ist nicht nur ein strategischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil, der es dem Iran ermöglicht, Einfluss durch Störung statt durch direkte Konfrontation auszuüben.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden oft im Zusammenhang mit Öl betrachtet, doch die Folgen sind weitreichender: Düngemittel, Chemikalien, Helium und andere industrielle Vorleistungen sind bereits knapp. Landwirtschaft, Gesundheitswesen und verarbeitendes Gewerbe werden alle betroffen sein.

Wie sieht es mit den Vergeltungsschlägen Irans gegen Israel aus? Da es keine bestätigten Berichte gibt, ist es unmöglich, das Ausmaß und die Auswirkungen der Schäden einzuschätzen. Das Muster der Zerstörung unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen dem, was in Iran geschieht, und dem, was in Israel geschieht. Raketen haben städtische Gebiete getroffen und Opfer gefordert, Gebäude beschädigt und das tägliche Leben beeinträchtigt. Diese Auswirkungen sind sichtbar, unmittelbar und politisch bedeutsam. Die fortschrittlichen Luftabwehrsysteme Israels und die umfangreiche Zivilschutzinfrastruktur begrenzen jedoch die Folgen. Die Auswirkungen sind zwar erheblich, bleiben aber, soweit ich das beurteilen kann, weitgehend lokal begrenzt.

Unter Berücksichtigung all dessen sollten wir das Überleben Irans nicht als Sieg missverstehen. An der Macht zu bleiben und es zu schaffen, dem Feind schweren Schaden zuzufügen, ist gute Werbung für das Regime, hat aber seine eindeutigen Grenzen: Iran ist zwar nicht zusammengebrochen, hat sich aber in einen Staat verwandelt, der auf einem System basiert, das auf Überleben ausgerichtet ist. Das System ist insofern widerstandsfähig, als es Schocks absorbieren kann, doch dies hat seinen Preis: eine zunehmende Militarisierung, wachsende wirtschaftliche Not für die Massen und langfristige strukturelle Spannungen.

Natürlich könnten das Regime und sein System all dies überstehen. Die Frage ist jedoch nicht, ob es kurzfristig zusammenbrechen wird, sondern welche Formen der Instabilität es im Laufe der Zeit hervorrufen wird. Was wir erleben, ist kein stabiles Gleichgewicht, sondern eine provisorische Regelung: ein Staat, der überlebt, dies jedoch tut, indem er sich auf die Möglichkeit eines permanenten Krieges ausrichtet.

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Anmerkung der Redaktion: Von Yassamine Mather erscheinen regelmäßig Analysen, insbesondere zum Iran und Westasien, im Weekly Worker.